Krieg und Frieden in der kollektiven Erinnerung
Wie beeinflussen Grenzen unser alltägliches Handeln? Wie prägen Grenzen kollektive Erinnerungen in Regionen, die sich über nationale Grenzen hinweg erstrecken? Mit diesen Fragen beschäftigen wir uns am Beispiel der Grenzregion Frankfurt (Oder) und Słubice.
Wir untersuchen, wie Grenzen erlebt werden, welche Rolle sie im täglichen Zusammenleben spielen und wie Erinnerungen an Frieden und Krieg weitergegeben werden. Dabei geht es insbesondere um die Bedeutung historischer Ereignisse für das heutige Miteinander. Wir gehen davon aus, dass Grenzen nicht nur trennen, sondern immer auch verbinden. Gerade in Europa wird dies durch das Schengen-Abkommen und die Reisefreiheit deutlich. Gleichzeitig zeigt sich, dass trotz offener Grenzen eine umfassende administrative Zusammenarbeit zwischen Kommunen rechtlich nur eingeschränkt möglich ist. Die Lebensrealität der Menschen in Grenzregionen ist jedoch von grenzüberschreitenden Beziehungen geprägt – privat wie beruflich. Diese alltäglichen Verflechtungen stellen das klassische Verständnis von „Grenze“ infrage.
Entwicklungen wie wieder eingeführte Grenzkontrollen, die es seit April 2025 auf der deutschen Seite der Brücke gibt und seit Oktober 2025 auf der polnischen Seite, schenken dieser Realität nur wenig Beachtung. Sie können zu praktischen Schwierigkeiten, Konflikten und veränderten Wahrnehmungen von Grenzen führen. Erinnerungen und Erinnerungskulturen lassen sich jedoch nicht administrativ steuern. Sie entstehen in einem vielschichtigen Zusammenspiel aus persönlichen Erfahrungen, familiärer Weitergabe und gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen.
Ziel des Projekts ist, praxisnahe „Werkzeuge“ zu entwickeln, die kommunale Partner*innen unterstützen, kollektive Erinnerungen konstruktiv zu gestalten, Konflikten vorzubeugen und den Dialog zu fördern. Besonderes Augenmerk liegt auf dem intergenerationalen Austausch: Wie erinnern unterschiedliche Generationen Krieg, Frieden und Grenzerfahrungen – und was können sie voneinander lernen?
Methodisch arbeiten wir innerhalb des Projekts ethnografisch: Wir sind als Forschende vor Ort präsent, beobachten das gesellschaftliche Leben, führen Interviews und bauen Kooperationen mit lokalen Akteur*innen auf. So soll Forschung entstehen, die nicht nur über Grenzregionen spricht, sondern gemeinsam mit den Menschen vor Ort Wissen entwickelt.