Erinnerung im Wandel

MEMO-Impulskartenset

Über das Erinnern

Ob und wie Menschen in Deutschland sich mit der Geschichte und insbesondere der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen und erinnern, ist sehr unterschiedlich. Laut den MEMO-Studienergebnissen befürwortet der größte Teil der deutschen Bevölkerung eine fortwährende Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit. Gleichzeitig zeigen sich im Wissen und Bewusstsein über diese Vergangenheit teils große Lücken, die anfällig machen können für revisionistische Umdeutungen und ein Wieder- oder Weitererstarken menschenfeindlicher Ideologien. Die MEMO-Impulskarten „Über das Erinnern“ bieten eine Möglichkeit, über die NS-Zeit und die Erinnerungskultur nachzudenken, zu sprechen und selbst aktiv zu werden.

Das MEMO-Impulskartenset

Aufbauend auf den MEMO-Studien hat die ConflictA das MEMO-Impulskartenset „Über das Erinnern“ entwickelt. Es umfasst 50 Fragen mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten rund um „das Erinnern“. Die Karten sollen dabei helfen, Zugänge zur Erinnerungskultur zu finden, der eigenen (Familien-)Geschichte nachzugehen und eine Auseinandersetzung mit erinnerungskulturellen Fragen und Praktiken, insbesondere im Kontext der deutschen NS-Vergangenheit, zu unterstützen.

In Lern- und Bildungskontexten bieten sie einen Ansatz, Denk- und Gesprächsräume für Reflexion und Austausch zu öffnen. Die Impulskarten richten sich grundsätzlich an alle Altersgruppen und lassen sich in verschiedenen Kontexten nutzen, zum Beispiel für die Vor- und Nachbereitungen von Gedenkstättenbesuchen, im Schulunterricht, in Workshops, im Kontext von Museen, Ausstellungen und öffentlichen Veranstaltungen oder zum individuellen Lernen allein, mit der Familie oder mit Freund*innen.

Der Inhalt – zwischen Dialog und Reflexion

Die 50 Frage-Impulskarten sind in verschiedene Kategorien unterteilt. Neben Fragen zu geschichtlichen Interessen und dem gesellschaftlichen Erinnern, auch jenseits der NS-Geschichte, spielen vor allem bisherige Lernerfahrungen, persönliche und regionale Bezüge zur NS-Zeit, historisches Wissen und Assoziationen mit der Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus eine Rolle. Dabei werden die eigene Familiengeschichte und ihre Verbindung zur NS-Zeit sowie andere Aspekte wie Alltagsbezüge, historische Kontinuitäten, revisionistische Angriffe auf die Geschichte und die Zukunft des Erinnerns thematisiert. Darüber hinaus bieten die Impulskarten die Möglichkeit des autobiographischen Lernens, durch die Beschäftigung mit sechs Zeitzeug*innen.

Die Auseinandersetzung mit Hilfe der MEMO-Impulskarten soll über den Austausch und die reine Abfrage von Faktenwissen hinausgehen und eine offene und niedrigschwellige Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur im Allgemeinen und der NS-Zeit im Besonderen bieten.

Wie benutze ich das MEMO-Impulskartenset?

Vorgehen und pädagogischer Leitfaden:

Die 50 Impulskarten bestehen jeweils aus einer Frage auf der Vorderseite und einem individuellen QR-Code auf der Kartenrückseite. Die Karten können nacheinander aufgedeckt werden, wobei es sinnvoll sein kann, aber nicht notwendig ist, die nummerierte Reihenfolge einzuhalten. Je nach Lernkontext kann es hilfreich sein, nur ausgewählte Fragen oder Themenschwerpunkte zu nutzen.

In Gruppen oder zu zweit kann eine Person die gezogene Frage vorlesen, während die anderen sich Zeit zum Nachdenken und Beantworten nehmen. Bei der nächsten Frage liest dann eine andere Person vor. Natürlich kann man die MEMO-Impulskarten auch in Einzelarbeit nutzen, die Karten nach und nach aufdecken und für sich beantworten. Die individuellen QR-Codes auf den Kartenrückseiten führen zu weiteren Informationen, Einordnungen, Vertiefungsfragen und zu Anregungen, im Kontext des jeweiligen Fragenthemas aktiv zu werden. Diese QR-Codes können einfach per Smartphone oder Tablet eingescannt werden, sofern die Geräte diese Funktion unterstützen.

In Zukunft finden Sie hier sowohl ein kurzes Erklärvideo zur Nutzung der Karten sowie einen ausführlichen pädagogischen Leitfaden zum Download.

Hinweis: Beim Arbeiten und Lernen mit den MEMO-Impulskarten geht es nicht darum, die Fragen möglichst „richtig“ zu beantworten. Viele Fragen zielen vielmehr auf persönliche Erfahrungen, Assoziationen und Einschätzungen ab, bei denen es kein klares „richtig“ oder „falsch“ gibt. Die Karten sollen zum Nachdenken und Reflektieren anregen und dabei helfen, ins Gespräch zu kommen. Da persönliche Erfahrungen und Familiengeschichte(n) unterschiedlich sind, und damit auch die emotionale Betroffenheit in Bezug auf verschiedene Themen, kann die Auseinandersetzung mit bestimmten Fragen herausfordernd sein.

Bestellung und Druckvorlagen des MEMO-Impulskartensets

Die MEMO-Impulskarten können hier voraussichtlich ab Mitte Juni 2026 bestellt werden. Zudem werden wir Druckvorlagen bereitstellen, mit denen Sie sich die Impulskarten selbst ausdrucken können.

Kontakt- und Feedbackmöglichkeiten

Über den nachfolgenden Link gelangen Sie zu unserer Feedbackseite, über die Sie uns Anmerkungen, Anregungen, Wünsche oder Kritik zu den MEMO-Impulskarten senden können . Gern können uns auch Ideen für weitere Impulsfragen geschickt werden.

Zur Feedbackseite


Für alle weiteren Anliegen können Sie sich gern auch per E-Mail an uns wenden und wir melden uns so bald wie möglich bei Ihnen: conflicta.erinnern@uni-bielefeld.de

Impressum

Danksagungen

Für die wertvolle Begleitung und Unterstützung während des gesamten Prozesses danken wir allen Mitwirkenden – besonders Corinna Jentzsch & David Zimmermann.

Konzept und Entwicklung

Nico Noltemeyer-Gautier, Michael Papendick; Uedian Gavan

Zitiervorschlag

Noltemeyer-Gautier, Nico & Papendick, Michael (2026). MEMO – Über das Erinnern. Impulse zum Nachdenken, Sprechen und Aktivwerden. Ein Impulskartenset der ConflictA. Bielefeld.

Grafische Umsetzung

Paulo Isenberg Lima, Felicitas Wagner, Andreas Uhl, Bielefelder IT Service Center (BITS) der Universität Bielefeld

Förderungen

Stiftung Erinnern Vergangenheit Zukunft (EVZ); Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

Über die MEMO-Studien

Das MEMO-Projekt wurde in der Zeit von 2018 bis 2023 von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ gefördert und vom Bielefelder Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung koordiniert und durchgeführt. Im Kern des Projekts stehen fünf bevölkerungsrepräsentative Telefonbefragungen, in denen Menschen anonym zu ganz verschiedenen Themen in Beziehung auf die Zeit des Nationalsozialismus befragt wurden: Ihre bisherige Auseinandersetzung mit dem Thema, ihr Wissen, ihre politischen Einstellungen und vieles mehr. Die Ergebnisse der Befragungen wurden im Zeitraum von 2018 bis 2022 in jährlichen Ergebnisberichten veröffentlicht, die über die Homepage der EVZ frei zugänglich sind.

Im Jahr 2023 erschien mit der MEMO-Jugendstudie eine ergänzende Fokusstudie, in der 3.500 junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 25 Jahren online ebenfalls zu verschiedenen Themen rund um die NS-Erinnerungskultur befragt wurden, mit besonderem Fokus auf ihre persönlichen Interessen und Anliegen in Bezug auf das Thema. Auch die Ergebnisse der MEMO-Jugendstudie sind frei zugänglich. In 2025 erschien zudem eine Folgestudie im Rahmen des Projekts „Gedenkanstoß“ der Bildungsagenda NS-Unrecht der Stiftung EVZ.

An allen MEMO-Studien haben neben dem Forschungsteam des IKG diverse Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis mitgewirkt, Themen und Fragen eingebracht, Ergebnisse diskutiert und Einordnungen vorgenommen. Die MEMO-Impulskarten basieren auf den MEMO-Studien, greifen eine Vielzahl der Themen auf, die in den Studien untersucht wurden, und bieten im ergänzenden Online-Material Ergebnisse aus den Studien „Zum Vergleichen“ an.