Wie erleben junge Menschen Gesundheit in ihrem Alltag? Welche Orte geben ihnen Kraft? Was belastet sie? Und was hilft ihnen, mit alltäglichen Herausforderungen umzugehen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich 21 Teilnehmende aus Bielefeld und Chemnitz beim Auswertungswochenende des JustHealth-Projektes, das vom 18. bis 20. September in Berlin stattfand.
Im Projekt „JuStHEALTH – Junge Stimmen für Gesundheit“ setzen sich Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Fluchtgeschichte mit ihren Perspektiven auf Gesundheit, Belastung und Unterstützung auseinander. Das Projekt ist am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld angesiedelt und Teil des BMFTR-geförderten Wissenschaftsjahres 2026 „Medizin der Zukunft“.
Um Zugang zur gesundheitsbezogenen Lebens- und Alltagswelt zu bekommen, nutzen wir die Methode Photovoice: Die Teilnehmenden halten fotografisch fest, wo ihnen Gesundheit im Alltag begegnet, welche Belastungen sie erleben und welche Ressourcen ihnen helfen. So werden persönliche Erfahrungen sichtbar gemacht – nicht aus der Perspektive von Erwachsenen oder Institutionen, sondern aus der Sicht junger Menschen selbst. Diese Fotografien werden im Rahmen einer digitalen Ausstellung gezeigt werden.
Von Bielefeld und Chemnitz nach Berlin
Vor dem Auswertungswochenende haben in Bielefeld und Chemnitz Fotografie- und Storytelling-Workshops stattgefunden. Dort lernten die Teilnehmenden Hands on, wie sie mit Bildern eigene Geschichten erzählen und persönliche Perspektiven ausdrücken können. Die Workshops wurden durchgeführt von Salon5 – der Jugendredaktion von Correctiv.
Anschließend fotografierten sie selbstständig Orte, Situationen und Gegenstände aus ihrem Alltag. Die Motive waren vielfältig: ruhige Orte, Bibliotheken, Natur, öffentliche Räume, Spuren von Stress, Zeichen von Gemeinschaft, aber auch Bilder, die Hoffnung, Unsicherheit oder Neuanfang ausdrückten.
Vom 18. bis 20. September kamen die Teilnehmenden schließlich in Berlin zusammen. Junge Menschen aus unterschiedlichen Lebenskontexten und mit verschiedenen sprachlichen und biografischen Hintergründen trafen dort aufeinander – unter anderem aus Deutschland, der Ukraine, dem Iran und Afghanistan.
Fotos als Ausgangspunkt für Gespräche
Ein zentraler Teil des Wochenendes war die gemeinsame Auswertung der Fotos. Nach einem kurzen Kennenlernen arbeiteten die Teilnehmenden in Kleingruppen und diskutierten die folgenden Fragen:
- Wo begegnet dir Gesundheit in deinem Alltag?
- Was hilft dir, deine Gesundheit zu stärken?
- Welche mentalen Belastungen erlebst du im Alltag?
- Wie gehst du mit Herausforderungen um?
Die Gespräche zeigten, wie unterschiedlich junge Menschen Gesundheit verstehen. Für einige bedeutete Gesundheit Ruhe, Natur oder Bewegung. Für andere waren Freundschaften, Familie, Musik, Bildung oder sichere Orte besonders wichtig. Gleichzeitig wurden auch Belastungen sichtbar: Stress, Zukunftssorgen, Migrationserfahrungen, Einsamkeit oder das Gefühl, mit Problemen nicht immer gesehen zu werden.
Persönliche Geschichten für die Ausstellung
Aus den Gruppendiskussionen entwickelten die Teilnehmenden in kurzen Podcast-Beiträgen ihre persönliche Geschichte zum Foto – warum sie das Bild aufgenommen haben, was dahintersteht und was es für sie mit Gesundheit zu tun hat. Der Audiobeitrag kann parallel zum Besuch der digitalen Ausstellung angehört werden.
So können Besucher*innen nicht nur die Fotos sehen, sondern auch die Stimmen und Perspektiven der jungen Menschen hören. Die Aufnahmen konnten auf Deutsch oder in der jeweiligen Muttersprache gemacht werden und werden durch schriftliche Übersetzungen ergänzt.
Gesundheit sichtbar und hörbar machen
Das Auswertungswochenende machte deutlich, wie vielschichtig Gesundheit im Alltag junger Menschen ist. Gesundheit zeigte sich nicht nur als körperliches Wohlbefinden, sondern auch als Gefühl von Sicherheit, Zugehörigkeit, Ruhe, Selbstbestimmung und Unterstützung.
JuStHEALTH möchte genau diese Perspektiven sichtbar und hörbar machen. Junge Menschen werden dabei nicht nur als Zielgruppe angesprochen, sondern als Mitforschende ernst genommen. Ihre Fotos, Geschichten und Diskussionen bilden die Grundlage für die öffentliche digitale Ausstellung, die im Oktober eröffnet wird.
Im Oktober sollen ausgewählte Ergebnisse im Rahmen einer analogen Ausstellung in der Wissenswerkstatt in Bielefeld präsentiert werden. Damit werden die Stimmen der Teilnehmenden in den öffentlichen Raum getragen – als Einladung, jungen Perspektiven auf Gesundheit genauer zuzuhören. Die Ausstellungseröffnung findet am 17. Oktober von 15 bis 16:30 Uhr in der Wissenswerkstatt statt. Interessiere sind herzlich eingeladen.
